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Meine Welt – Unsere Welten. Dekoloniale Perspektiven und Ansätze im Globalen Lernen. Zweite Auflage (2021)

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Wir stellen die Broschüre kostenfrei zu Verfügung, freuen uns aber über Spenden zur Unterstützung unserer Arbeit. Informationen, wie Sie uns mit einer Spende unterstützen können, finden Sie hier. Gern können Sie auch eine Druckversion der Broschüre bei uns bestellen. Für die Bestellung bitten wir Sie uns per E-Mail zu kontakieren.

Wir freuen uns euch die zweite Auflage der Broschüre zur Verfügung zu stellen. Ihr findet spannende neue Texte und Impulse.

Einleitende Worte zur 2. Auflage

Lernen zu Lernen. Lernen vom Globalen Süden zu Lernen. Das ist für uns ein Kernelement des Projekts. Ein Jahr nach der Veröffentlichung der ersten Auflage unserer Broschüre haben wir die Gelegenheit das Projekt „Meine Welt – Unsere Welten“ fortzuführen und weiter zu vertiefen. Nach der Veröffentlichung der ersten Auflage haben wir weitere Online-Workshops für Multiplikator*innen angeboten. Diese Erfahrungen waren sehr lehrreich. Es ist deutlich geworden, dass es nicht ausreicht, bestimmte Stimmen hörbar zu machen. Vorher müssen wir lernen, diese Stimmen zu hören – als Stimmen von Expert*innen – und von diesen Stimmen zu lernen.

Auf den ersten Blick mag dies einfach klingen, aber es ist keine einfache Aufgabe für diejenigen die, wie die meisten von uns, in einer eurozentrisch-kolonialen Gesellschaft sozialisiert wurden. Das heißt eine Gesellschaft, in der Wissen, dass uns als neutral und vertrauenswürdig, beigebracht wird, fast ausschließlich aus dem Globalen Norden kommt. Aus diesem Grund widmen wir die Überarbeitung und Neuauflage dieser Broschüre dieser Reflexion über unsere eigene Fähigkeit, wirklich von Expert*innen und Aktivist*innen aus dem Globalen Süden zu lernen.

In der zweiten Auflage unserer Broschüre findet ihr einen Text über unsere Beobachtungen, die wir im Rahmen der Online-Workshops mit Multiplikator*innen machen konnten. Wir glauben, dass das, was wir über Wahrnehmungs- und Rezeptionsprozesse gelernt haben, uns und anderen helfen kann, die eigene Fähigkeit, den Stimmen aus dem Globalen Süden zuzuhören, kritisch zu hinterfragen und zu erweitern. Wir haben diesem Text den Titel „Ohren auf! Lernen von Expert*innen aus dem Globalen Süden“ gegeben.

Daran anknüpfend haben wir eine weitere Methode in die Broschüre aufgenommen. Anders als die anderen Methoden in der Broschüre ist diese für die Arbeit mit Erwachsenen gedacht. Diese Methode soll Multiplikator*innen bei ihrer Reflexion unterstützen, wie sie nach Informationen über den Globalen Süden suchen. Sie zeigt auf, wie Algorithmen bestimmte Quellen und Informationen bei Onlinerecherchen bevorzugt darstellen. Besonders die Hegemonie der Kolonialsprachen und der Einfluss der großen europäischen und US-amerikanischen Medienkonzerne auf die Suchergebnisse wird hier deutlich. Algorithmen, die hauptsächlich von Menschen im Globalen Norden programmiert werden, zeigen ganz bestimmte Wissensbeiträge nicht mit gleicher Relevanz an. So bleiben Beiträge von Menschen aus dem Globalen Süden oftmals unsichtbar. Und wenn sich doch einmal ein Beitrag, z.B. über die Arbeit einer aktiven Person aus dem Globalen Süden finden lässt, so wird sie aus einer europäischen Brille wiedergegeben. Der Umgang in den Suchmaschinen mit Wissen aus dem Globalen Norden und dem Globalen Süden ist also sehr ungleich gewichtet. Das Wissen im Globalen Norden über den Globalen Süden bleibt so sehr eindimensional und lückenhaft.

Diese Reflexion der eigenen Recherecheskills ist für uns zentral für das Anliegen, unsere Fähigkeit zu erweitern, die Stimmen der Menschen aus dem Globalen Süden zu hören und von ihnen zu lernen. Ziel unseres Projekts ist es, den Stimmen zuzuhören, die von Realitäten sprechen, zu denen wir keinen direkten Zugang haben, von denen wir aber annehmen, sie hinreichend zu kennen – einfach dadurch, dass wir im Lexikon darüber gelesen und einen Hollywoodfilm darüber gesehen haben. Und einfach dadurch, dass wir annehmen, dass diesem im Norden produzierten Wissen nichs hinzuzufügen ist und dieses Wissen die Welt neutral darstellt. Uns ist es wichtig, dass wir dieses Paradigma hinterfragen.

Wir freuen uns auch sehr, dieser zweiten Ausgabe noch einen Expertenbeitrag des Aktivisten Geoffrey Ogwaro beizufügen. Hier können wir das Zuhören üben und unsere „Aber“-Reflexe kontrollieren. Der Text ist sehr bereichernd für unser Verständnis von Kolonialismus und der Situation von LGBTQI+ Menschen in Uganda – und in gewisser Weise auch in verschiedenen Ländern des Globalen Südens. Er gibt Impulse, unsere bisherigen Kenntnisse zu überdenken und die Folgen des Kolonialismus zu erkennen Die Annahme, dass die liberale Weltsicht auf sexuelle und geschlechtliche Vielfalt erst noch vom Norden in den Süden transportiert werden muss, wird hier deutlich in Frage gestellt. Gerade für Multiplikator*innen im Globalen Norden ist dies ein gutes Beispiel, Themen intersektional zu betrachten und Perspektiven aus dem Globalen Süden in die eigene Bildungspraxis zu integrieren.

Zum Abschluss haben wir noch einen Text für eure Bildungsarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Bereich des Globalen Lernen. Im ersten Teil unserer Arbeit mit Jugendlichen steht oft die Arbeit mit einer Weltkarte. Allein schon aus der Arbeit mit der Karte lässt sich viel rausholen, um dekolonial global zu lernen. Es beginnt schon mit der Frage, welche Karte ich wähle und von o aus ich sie betrachte. Wir empfehlen die Peters-Projektion an Stelle der gängigeren Mercator Projektion. Manchmal kleben wir auch die Weltkarte durch den ganzen Raum auf den Boden und betrachten sie von verschiedenen Seiten. In ihrem Text „Eine gezeichnete Blume ist keine Blume – Reflexionen zur pädagogischen Arbeit mit Weltkarten“ gibt uns Yili Rojas einige Reflexionsanstöße und Anregungen zur pädagogisch-dekolonialen Arbeit mit Weltkarten.

Wir hoffen, dass ihr, liebe Leser*innen, an unseren Lernprozessen teilhaben könnt und weiter motiviert seid, vielfältige, selbstbestimmte und dekoloniale Perspektiven aus dem Globalen Süden in die Klassenzimmer im Globalen Norden zu bringen.

Zu der Broschüre bieten wir Workshops an. Wir stellen die Broschüre vor, beschäftigen uns gemeinsam mit den Forderungen der Expert*innen aus dem Globalen Süden, stellen Hintergrundinformationen zur Verfügung, geben Relfexions- und Austauschimpulse und stellen in kollegialer Beratung ein Bezug zu eigenen Fragen rund um Globales Lernen her. Bei Interesse wenden Sie sich gern per Mail an uns.